Berlin, 9. November 2012
Preisverleihung der Robert-Koch-Stiftung e. V. an die Professoren Honjo und Wimmer
Mechanismen zur natürlichen Optimierung der Reaktion gegen Krankheitserreger aufgeklärt / Medaille in Gold für Lebenswerk zur Erforschung von Viren
Berlin – Die Robert-Koch-Stiftung e. V. hat den mit 100.000 Euro dotierten Robert-Koch-Preis 2012 an Professor Tasuku Honjo vom Institut für Immunologie und Genomic Medicine der Kyoto University Graduate School of Medicine in Japan verliehen. Mit der Robert-Koch-Medaille in Gold wurde Professor Eckard Wimmer, State University of New York in Stony Brook, USA, ausgezeichnet. Die Preise überreichte Frau Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, am 9. November 2012 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Robert-Koch-Preis
Tasuku Honjo wurde für seine bahnbrechenden Arbeiten zur molekularen Immunologie und Medizin ausgezeichnet. Er klärte fundamentale Mechanismen des Immunsystems zur Abwehr von Krankheitserregern auf, mit der die Bindung an ein Antigen und seine Eliminierung verbessert werden. Dazu gehört der Prozess der somatischen Hypermutation, einem molekularen Mechanismus, mit dem spezifische Antikörper gegen Antigene gebildet werden. Honjo klärte auf, dass das von ihm entdeckte Enzym AID (Aktivierungs-induzierte Deaminase) die Bindungsstelle des Antikörpers durch somatische Hypermutation verändert ebenso wie die Funktion der Antikörper durch Austausch von Teilen der Antikörpergene. Dieser Vorgang wird als Klassenwechselrekombination bezeichnet. Die Mutationsrate liegt etwa eine Million Mal über der natürlichen Mutationsrate und wird deshalb als Hypermutation bezeichnet. Außer der bahnbrechenden Entdeckung der Klassenwechselrekombination entdeckte Honjo unter anderem das Molekül PD-1 (programmed cell death 1, programmierter Zelltod 1), einen negativen Co-Rezeptor in der Effektorphase der Immunantwort. Eine Modulation von PD-1 kann zur Behandlung von viralen Infektionen, Autoimmunreaktionen und auch Tumoren beitragen. Honjos wissenschaftliche Entdeckungen sind demnach von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis von Immunität, Immunerkrankungen und der Krebsbiologie.
>> Foto und Lebenslauf Tasuku Honjo
Robert-Koch-Medaille in Gold
In Würdigung seines Lebenswerks wurde Eckard Wimmer mit der Robert-Koch-Medaille in Gold geehrt. Er wurde 1962 zum Dr. rer. nat. in Organischer Chemie an der Universität Göttingen promoviert. Als Chemiker war Wimmer fasziniert von der besonderen Natur der Viren als Lebewesen und als nicht-lebende Aggregate organischer Makromoleküle. In den 44 Jahren seiner Forschung am Poliovirus, dem Erreger der Kinderlähmung, hat er Arbeiten veröffentlicht, die als wegweisend angesehen werden. Dazu gehören insbesondere die Bestimmung des Genoms und die Aufklärung der Genorganisation des Poliovirus, die Entdeckung eines neuartigen Modus der Proteintranslation, die erste zellfreie Synthese eines Virus in einem Extrakt nicht-infizierter Zellen, und die erste de novo Synthese eines Organismus (Poliovirus) ohne Beteiligung einer natürlichen Matrize. Letztere Arbeit hat zur Entwicklung neuer Strategien für die Herstellung viraler Impfstoffe geführt, die auf Computer-konzipierten Genomen mit hunderten von Mutationen basieren und derzeit nicht nur für Poliovirus, sondern auch für andere humanpathogene Viren in der Erprobung sind. So haben Wimmers Arbeiten das Verständnis der Wechselwirkung des Virus mit seinem Wirt entscheidend geprägt und gleichzeitig wesentliche Ansätze für Bekämpfungsstrategien geliefert. Nicht zuletzt kann er als Wegbereiter der neuen Disziplin der „Synthetischen Biologie“ bezeichnet werden.
>> Foto und Lebenslauf Eckard Wimmer
Postdoktorandenpreise für junge Wissenschaftler
Die mit je 5.000 Euro dotierten Postdoktorandenpreise der Robert-Koch-Stiftung für herausragende Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses wurden während des Festakts ebenfalls verliehen. Die Deutschen Gesellschaften für Hygiene und Mikrobiologie, Immunologie und Virologie haben ein Vorschlagsrecht. Dr. med. Christina Zielinski, Berlin, wurde mit dem Preis für Immunologie für ihre Untersuchungen zur Regulation der Immunantwort ausgezeichnet. Dr. rer. nat. Sandra Schwarz, Seattle, USA, bekam den Preis für Mikrobiologie in Anerkennung ihrer Arbeiten zur bakteriellen Proteinsekretion. Den Postdoktorandenpreis für Virologie erhielt Dr. rer. nat. Christine Goffinet, Ulm, für ihre Untersuchungen zur Biologie des HI-Virus.
Über den Robert-Koch-Preis
Der jährlich verliehene Robert-Koch-Preis zählt zu den höchstrangigen wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland. Die Stiftung, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck steht, fördert die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und anderer, weit verbreiteter Krankheiten. Robert Koch (1843 bis 1910), nach dem der Preis benannt ist, hat die moderne Bakteriologie begründet und erhielt dafür im Jahr 1905 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.
Ihre Ansprechpartnerin bei der Robert-Koch-Stiftung e. V.:
Valeria Hilgers, Telefon: +49 (0)30-468-15627, E-Mail: info@robert-koch-stiftung.de
Berlin, 12. Juli 2012
Robert-Koch-Stiftung e. V. gibt Preisträger 2012 bekannt
Berlin – Die Robert-Koch-Stiftung e. V. verleiht den mit 100.000 € dotierten Robert-Koch-Preis 2012 an Professor Tasuku Honjo vom Institut für Immunologie und Genomic Medicine der Kyoto University Graduate School of Medicine in Japan. Mit der Robert-Koch-Medaille in Gold wird Professor Eckard Wimmer, “Distinguished Professor” an der State University of New York in Stony Brook, USA, ausgezeichnet.
Die Preise werden am 9. November 2012 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften voraussichtlich durch Daniel Bahr, den Bundesminister für Gesundheit, überreicht.
Tasuku Honjo wird ausgezeichnet für seine bahnbrechenden Arbeiten über die natürliche Optimierung von Immunreaktionen. Er hat gezeigt, dass in den aktivierten B-Lymphozyten die genetische Information für die Antikörper verändert und neu kombiniert wird, um so die Bindung an das Antigen und seine Eliminierung zu verbessern. B-Lymphozyten werden als Teil einer Immunantwort auf einen Krankheitserreger oder einen Impfstoff aktiviert. Eine Schlüsselrolle bei der Neukombination spielt dabei das Enzym “Aktivierungs-induzierte-Deaminase”. Tasuku Honjo hat dieses Enzym entdeckt. Er konnte zeigen, dass es sowohl die Bindungsstelle des Antikörpers verändert, durch “somatische Hypermutation”, als auch die Funktion der Antikörper, durch Austausch von Teilen der Antikörpergene, die sogenannte Klassenwechselrekombination. Tasuku Honjo hat diese Prozesse aufgeklärt und gezeigt, wie sie von anderen Lymphozyten im Verlauf einer Immunantwort induziert und reguliert werden. Seine Arbeiten sind von entscheidender Bedeutung für das Verständnis von Immunität und Immunerkrankungen, wie Entzündungen und Allergien, aber auch der Tumorentstehung.
>> Foto und Lebenslauf Tasuku Honjo
In Würdigung seines Lebenswerks wird Professor Eckard Wimmer mit der Robert-Koch-Medaille in Gold geehrt. Als Chemiker ausgebildet war Wimmer stets fasziniert von der besonderen Natur der Viren als Lebewesen und als nicht-lebende Aggregate organischer Makromoleküle. So wurde er zu einem Pionier der molekularen Virologie, dessen Forschungen zum Poliovirus, dem Erreger der Kinderlähmung, Meilensteine der Infektionsforschung darstellen. Dazu gehören insbesondere die Bestimmung des Genoms und die Aufklärung der Genorganisation des Poliovirus, die Entdeckung eines neuartigen Modus der Proteintranslation, die erste zellfreie Synthese eines Virus in einem Extrakt nicht-infizierter Zellen, und die erste de novo Synthese eines Organismus (Poliovirus) ohne Beteiligung einer natürlichen Matrize. Letztere Arbeit hat in der Folge zur Entwicklung neuer Strategien für die Herstellung viraler Impfstoffe geführt, die auf Computer-konzipierten Genomen mit hunderten von Mutationen basieren und derzeit nicht nur für Poliovirus, sondern auch für andere humanpathogene Viren in der Erprobung sind. So haben Wimmers Arbeiten unser Verständnis der Wechselwirkung des Virus mit seinem Wirt entscheidend geprägt und gleichzeitig wesentliche Ansätze für Bekämpfungsstrategien geliefert. Nicht zuletzt kann er als Wegbereiter der neuen Disziplin der „Synthetischen Biologie“ bezeichnet werden.
>> Foto und Lebenslauf Eckard Wimmer
Der jährlich verliehene Robert-Koch-Preis zählt zu den höchstrangigen wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland. Die Stiftung, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck steht, fördert die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und anderer, weit verbreiteter Krankheiten. Robert Koch (1843 bis 1910), nach dem der Preis benannt ist, hat die moderne Bakteriologie begründet und erhielt dafür im Jahr 1905 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.
Ihre Ansprechpartnerin bei der Robert-Koch-Stiftung e. V.:
Valeria Hilgers, Telefon: +49 (0)30-468-15627, E-Mail: info@robert-koch-stiftung.de